Donnerstag, 19. Oktober 2017

FBM 2017 - Messebericht Tag 1: Freitag, 13.10.

Hallo ihr Lieben!
Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, ging es für mich dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt zur Frankfurter Buchmesse! Dank meines Pressetickets, das ich durch meine Vorabakkreditierung erhalten habe, durfte ich schon am Freitagnachmittag, kurz nach unserer Ankunft in Frankfurt, das Messegelände erkunden.
Nachdem unser Bus mit einer Stunde Verspätung endlich angekommen ist und wir kurz in unserem Hotel in Bahnhofnähe waren, kamen wir gegen 16.20 Uhr auf der Messe an. An der Eingangstür habe ich mich dann von meiner Mutter verabschiedet, die am Freitag ja noch nicht mit reinkommen konnte, weil sie kein Fachbesucherticket hatte. Ich gestehe, ich war ziemlich nervös - würde ich mich ganz alleine auf der Messe zurecht finden können? -, aber die Vorfreude war ebenfalls riesig!
Und obwohl ich vorgewarnt wurde, muss ich zugeben, dass ich schlichtweg überwältigt war von der Größe des Geländes. Ich habe es dann dennoch mit dem Shuttlebus heile bis zu Halle 3 geschafft, wo ich mich mit Kat von Darks Lesehimmel treffen wollte. Die Agora, der Mittelpunkt des Messegeländes, diente mir dabei als Orientierung.

Die Größe des Geländes hat mich ein wenig sprachlos gemacht
Asterix, das Maskottchen des diesjährigen Ehrengastes Frankreich, fiel mir natürlich sofort ins Auge

Vollkommen desorientiert war ich allerdings, als ich Halle 3 betrat. Bis ich das System der Stände durchschaut habe, bin ich erst einmal ein wenig ziellos umhergewandert und habe mich bloß von den riesigen Buchstaben, die über den Köpfen der Besucher die Namen meiner Lieblingsverlage verkündeten, leiten lassen.

Der Stand der Verlagsgruppe Oetinger


Bei dtv habe ich einen kleinen Abstecher zu Feyre gemacht . . .


. . .und bin dann bei Carlsen gelandet!

Am Carlsen-Stand habe ich dann die liebe Julia von booksdream  getroffen, die mich an meinem Buchbloggerband erkannt hat.😊 Wir haben uns ein bisschen unterhalten und sie hat mir versichert, dass mein Gefühl der Überwältigung keineswegs unnormal ist - jeder würde so reagieren, wenn er die Messe zum ersten Mal besucht.
Nach einem kleinen Missverständnis (vorne in der Reihe? Hinten in der Reihe? Wo ist noch mal der Stand? Hä, ich bin hier falsch, ich muss auf die andere Seite!) habe ich mich dann mit Kat und Amy von  Darks Lesehimmel am Drachemond-Stand getroffen. Das war ein Geknuddel, kann ich euch sagen! Es war einfach SO schön, euch in echt kennenzulernen, besonders dich, Kat, du verrückte Nudel!😉
Dann habe ich am Drachenmond-Stand niemand geringeren als Ava Reed gesehen! Ich war mir zuerst nicht sicher, ob es tatsächlich sie war ... und obwohl ich mich riesig gefreut habe, war ich auch ziemlich traurig, dass ich Mondprinzessin von ihr nicht dabei hatte. Ich habe das Buch erst vor kurzem gelesen, geliebt und in Tränen aufgelöst beendet und hätte es so gerne signiert gehabt!
Aber Ava war einfach nur unglaublich lieb, hat mir die schönste aller Autogrammkarten signiert und ist sogar extra noch mal hinter dem Stand hervorgekommen, um mich zu umarmen und ein Foto mit mir zu machen, als ich ihr erzählt habe, wie sehr ich Mondprinzessin geliebt habe! Falls du das hier liest, Ava: Danke, danke, DANKE, das bedeutet mir wirklich unglaublich viel! Du bist hiermit offiziell der erste Isabell-hat-fast-geheult-vor-Freude-Moment, den ich je auf einer Buchmesse erlebt habe.❤

Anschließend habe ich mir noch mit Kat beim Stand der Thalia-Buchhandlungen ein cooles Lesezeichen machen lassen und danach verschiedene Verlage besucht. Es war wirklich sehr schön und wir haben eine Menge gelacht! (Laut Kat sind die Decken der Buchmesse umwerfend cool. Ich füge unten mal ein Bild davon ein - dann könnt ihr euch eure eigene Meinung zu dem Thema bilden ...)

Außerdem haben wir festgestellt, dass Laufbänder (diese Dinger sind ähnlich wie Rolltreppen, mit der Ausnahme, dass sie auf einer geraden Fläche verlaufen) echt mörderisch sein können, wenn man sich unterhält. Egal, immerhin hatten wir auch nach dem dritten Stolpern noch etwas zu lachen!
Kurz darauf haben wir uns auch schon wieder getrennt, denn der Messetag neigte sich schon dem Ende zu.
Ich hätte wirklich nie gedacht, in nur ca. zwei Stunden so viel zu erleben, so viele nette Leute zu treffen und vor allem so viel zu schwitzen. Die Atmosphäre war einfach nur großartig und ich schwebte wie auf Wolke 7! Und natürlich habe ich mich riesig auf Samstag gefreut - unnötig, zu erwähnen, dass mir das Einschlafen an dem Abend mehr als schwer fiel.
Was ich am nächsten Tag alles erleben durfte, könnt ihr dann in meinem nächsten Blogpost zu dem Thema nachlesen.
Man liest sich!
Isabell


Dienstag, 10. Oktober 2017

[Rezension] Das Auge von Licentia


Autorin: Deana Zinßmeister
Verlag: Arena
Seiten: 320
ISBN 978-3-401-60350-6
Preis: 15€ (Hardcover)


Inhalt:
Jonata lebt mit ihrer Familie in der Mittelaltersiedlung Licentia. Smartphones, den Supermarkt um die Ecke, all das kennt sie nicht, ahnt noch nicht mal von deren Existenz. Und schon gar nicht weiß sie, dass „Licentia“ in Wahrheit eine Fernsehshow ist, und die ganze Welt ihr und den anderen Bewohnern Licentias zusieht - jeden Tag, schon seit Jahren. Erst, als sie auf Tristan trifft, einen Jungen aus dem verfeindeten Clan der Wolfsbanner, kommen die Lügen und Geheimnisse ihres Dorfs langsam ans Tageslicht, und Jonata wird für manche Dorfbewohner zu einer Bedrohung …


Meine Meinung:
Auf dieses Buch bin ich durch den Arena-Verlag aufmerksam geworden, der auf Instagram Werbung für den neuen Jugendbuchtitel gemacht hat. Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich gleich, dass ich „Das Auge von Licentia“ unbedingt lesen wollte. Es klang, als wäre der Titel ganz nach meinem Geschmack - leider konnte er meine Erwartungen dann aber nicht erfüllen.
Das finde ich sehr schade, denn die Grundidee hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Ich persönlich musste mir jedenfalls sofort die Frage stellen: Was wäre, wenn es tatsächlich die Möglichkeit gäbe, abgeschottet von der restlichen Menschheit in einer Mittelaltersiedlung zu leben - und das, ohne zu wissen, dass die Welt außerhalb dieser Siedlung überhaupt existiert, obwohl diese alles mitverfolgt? Und würde ich selbst mir eine solche Fernsehshow anschauen?


Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir die Tatsache, dass die Autorin alles detailliert recherchiert hat und deshalb offensichtlich eine gute Grundlage zum Schreiben hatte. Besonders die Aspekte einer mittelalterlichen Gesellschaft wurden gekonnt in die Handlung eingeflochten.
Dadurch, dass in diesem Buch aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, fiel es mir leicht, mit ein Bild von der gesamten Situation zu machen und alles sowohl aus der Sicht der Produzenten der Fernsehsendung als auch aus der Perspektive der völlig ahnungslosen Jonata zu betrachten.
Außerdem war ich stets sehr gespannt, wie es wohl weitergeht, da die von Deana Zinsmeister erschaffene Welt voller Potenzial steckt.
Dieses Potenzial wurde meiner Meinung nach jedoch nicht genug ausgeschöpft. Mir fiel es zum Beispiel schwer, mich mit der Protagonistin Jonata oder auch mit Tristan, aus dessen Blickwinkel ebenfalls erzählt wird, zu identifizieren. Die meisten Charaktere machten einen eher blassen und nicht sonderlich gut ausgearbeiteten Eindruck auf mich. Während des Lesens konnte ich mich nie ganz in dem Buch verlieren und hatte stets das Gefühl, es herrsche eine gewisse Distanz zwischen Leser und Handlung, was zum Teil sicherlich auch daran liegt. Ich bin der Ansicht, eine gute Geschichte lebt von ihren Charakteren, und das war hier leider nicht immer der Fall.
Desweiteren erschienen mir einige der Wendungen in diesem Buch ziemlich vorhersehbar - dabei hätte es an einigen Stellen durchaus die Möglichkeit gegeben, mehr Überraschungseffekte einzubauen.


Mein größter Kritikpunkt ist jedoch die Tatsache, dass die Liebesgeschichte zwischen Jonata und Tristan die für mich viel interessantere Handlung komplett in den Hintergrund rückt. Heutzutage gibt es dieses Phänomen leider viel zu häufig, nur selten lese ich Jugendbücher, in denen es nicht um eine Liebesbeziehung geht. Natürlich richten sich Verlage, was das angeht, oft nach den Lesevorlieben der Zielgruppe - mir persönlich wurde es bei diesem Buch aber einfach viel zu viel. Direkt nach ihrer ersten Begegnung kann Jonata anscheinend an nichts anderes als an Tristan denken und umgekehrt. Immer und immer wieder lesen zu müssen, was für schöne waldhonigfarbene Augen letzterer doch habe, ging mir nach einiger Zeit einfach nur noch auf die Nerven.
Trotz alldem habe ich auf das Ende hingefiebert, in der Erwartung einer großen Konfrontation von Licentia mit der realen Welt - leider Fehlanzeige. Statt einem fesselnden Showdown wird Jonata einfach nach Strich und Faden belogen, was ihre Identität angeht, sie nimmt schweigend alles hin und spielt weiterhin das ahnungslose Lämmchen. Ich muss gestehen, ich hätte sie gerne das eine oder andere Mal durchgeschüttelt und sie energisch dazu aufgefordert, ihr Gehirn einzuschalten und Dinge zu hinterfragen. Stattdessen steht man am Ende wieder am Anfang, wenn man mal von dem neuen Liebespärchen absieht, zudem bleiben viele Fragen offen. Auch wenn eine Fortsetzung geplant wäre (ich konnte im Internet leider keine Informationen diesbezüglich finden), konnte mich das Buch im Hinblick auf das Ende ebenfalls nicht überzeugen.
Abschließend lässt sich sagen, dass hinter dem Buch eine geniale Idee steckt, deren Umsetzung meiner Meinung nach aber mehr als dürftig ist. Bedauerlicherweise kann ich es deshalb nicht uneingeschränkt weiterempfehlen.


Fazit:
Obwohl in  „Das Auge von Licentia“ eine große Menge Potenzial steckt, konnte mich der Titel nicht für sich einnehmen. Nicht nur die meiner Meinung nach viel zu kitschige und eigentlich unnötige Liebesgeschichte, sondern auch die vielen unbeantworteten Fragen dämpften das Lesevergnügen bei mir extrem. Wirklich schade, es hätte so viel mehr aus der Idee, die dahinter steckt, gemacht werden
können.




Vielen Dank an den Arena-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mehr Infos zum Buch? Klickt hier.


Edit

Ich hatte auf der diesjährigen  Frankfurter Buchmesse die Chance, ein kurzes Gespräch mit Deana Zinßmeister am Stand vom Arena-Verlag zu führen. Ich habe die Autorin mit ein paar meiner Kritikpunkte konfrontiert und es hat mich sehr gefreut, zu sehen, wie sie darauf eingegangen ist. Außerdem war sie so nett, mir einen kleinen Einblick in das Verlagskonzept zu geben und mir darzulegen, warum manche Dinge in diesem Titel ganz bewusst so dargestellt wurden. Je nachdem, wie die Reaktion der Leser auf Das Auge von Licentia verlaufe, sei auf jeden Fall ein zweiter Band geplant, in dem auf jeden Fall etwas Großes geschehen würde.
Ich bedanke mich hiermit herzlich bei der Autorin für das  Gespräch, das mich nun doch noch um einiges neugieriger auf die Fortsetzung (wenn es sie denn tatsächlich geben sollte) gemacht hat!
Abschließend möchte ich gerne noch ein paar Hoffnungen und Wünsche mit euch teilen, die meiner Meinung nach umgesetzt werden sollten, wenn es mit Licentia weitergeht:
  • Jonata sollte mehr Selbstvertrauen entwickeln, anfangen, Dinge zu hinterfragen und einen stärkeren Charakter zu entwickeln.
  • Die Liebesbeziehung zwischen Jonata und Tristan sollte ein Stück in den Hintergrund rücken, vielleicht auch nicht mehr so harmonisch verlaufen?
  • Wenn Licentia mit der realen Welt konfrontiert wird und herauskommt, dass alles ein riesiger Schwindel ist, möchte ich bitte ein großes Drama😉 Das heißt, jeder Charakter hat mit verschiedenen Problemen zu kämpfen, denn immerhin wird das Leben der  Figuren komplett umgekrempelt, sollten sie erfahren, dass sie Teil einer Fernsehshow sind!
  • Und natürlich erwarte ich eine Menge Spannung und dass das Potenzial der Geschichte besser ausgenutzt wird als in Band 1. Denn die Grundidee, diese Welt, die Gedanken, die sich die Autorin gemacht hat, sind einfach fantastisch und bieten so viele Möglichkeiten!

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Lesemonat September 2017

Hallo ihr Lieben!
Hier kommt meine Lesestatistik für den September. Gelesen habe ich 8 Bücher mit insgesamt 2.911 Seiten, was ca. 97 Seiten pro Tag entspricht. Folgende Titel waren dabei:
-Caraval
-Aquila
-Die Kinder
-Silber - Das erste Buch der Träume (reread)
-Silber - Das zweite Buch der Träume (reread)
-Das Auge von Licentia
-Mondprinzessin
-Von ganzem Herzen Emily


Mein Monatshighlight ist, und das war mir bei der Lektüre schon nach wenigen Seiten klar, Mondprinzessin von Ava Reed, übrigens auch mein erstes Drachenmond-Buch. Es ist einfach nur wunderwunderschön und ich kann euch nur raten: LEST ES! Eine Rezension dazu muss ich allerdings noch schreiben.
Auch sehr überraschen konnte mich Die Kinder von Wulf Dorn . . . ich bekomme jetzt, bei dem bloßen Gedanken daran, schon wieder eine Gänsehaut. Wenn ihr wissen wollt, ob das Buch etwas für euch ist, schaut mal hier vorbei.


Bei den Neuzugängen konnte ich mich in diesem Monat tatsächlich zurückhalten und bin dementsprechend stolz auf mich. 😉 Das Auge von Licentia war ein Rezensionsexemplar aus dem Arena-Verlag, Mondprinzessin MUSSTE ich einfach haben, nachdem ich es in der Buchhandlung gesehen habe, und ein neues, noch eingeschweißtes Inferno für nur fünf Euro konnte ich auch nicht stehen lassen . . .



Es fiel mir auch überhaupt nicht schwer, mich vom September zu verabschieden, denn Mitte Oktober fahre ich zum ersten Mal überhaupt zur Frankfurter Buchmesse und ich bin so aufgeregt!
Ich freue mich riesig darauf, Autoren wie Cassandra Clare und Teri Terry, aber auch eine Menge Bloggerfreunde persönlich kennenzulernen! (Und natürlich darauf, mein ganzes Geld an den Verlagsständen loszuwerden . . . 😉)
Man liest sich!
Isabell


Montag, 2. Oktober 2017

[Rezension] Die Physiker

Autor: Friedrich Dürrenmatt
Verlag: Diogenes
Seiten: 96
ISBN 978-3-257-23047-5
Preis: 8€ (Taschenbuch)


Inhalt:
Kernphysiker Möbius, Entdecker einer furchtbaren und gefährlichen Formel, flüchtet, seine Familie preisgebend, ins Irrenhaus. Er spielt Irrsinn, er fingiert die Heimsuchung durch den Geist Salomos, um das, was er entdeckte, als Produkt des Irrsinns zu diffamieren. Doch zwei Geheimagenten, ebenfalls als Wahnsinnige getarnt, sind ihm auf der Spur.


Meine Meinung:
Bevor es in „Die Physiker“ mit der eigentlichen Handlung losgeht, gibt es zunächst einmal eine ausführliche Beschreibung des Örtlichen. Das mag gewöhnungsbedürftig wirken, dient aber der Orientierung, denn während des gesamten Dramas spielt sich alles ausschließlich im Salon der Irrenanstalt Les Cerisers ab.
Die Einstiegsszene handelt davon, dass Kriminalinspektor Richard Voß die Oberschwester der Nervenheilanstalt befragt, während im Hintergrund die erdrosselte Krankenschwester Irene Straub liegt. Aber so ernst die Situation auch sein mag, sie strotzt nur so vor Absurdität.  Während der Inspektor als Vertreter der Justiz eigentlich die Kontrolle über das Geschehen haben sollte, so ist es hier eindeutig die Oberschwester, die es dem Ermittler so schwer wie möglich zu machen scheint, indem sie immer wieder auf ihre ärztlichen Pflichten verweist. So behauptet sie zum Beispiel, der Mörder - einer ihrer Patienten - könne nun auf gar keinen Fall einem Verhör unterzogen werde, da er sich zuerst beruhigen müsse.
Ich war von Anfang an wirklich beeindruckt, dass der Autor es geschafft hat, die Szenen so lebendig wirken zu lassen, obwohl es sich hier nicht um einen Erzähltext, sondern ein Drama - eine Geschichte in Form eines Bühnenstücks - handelt. So ungewöhnlich diese Art des Erzählens für einige Leser zunächst auch wirken mag, schon nach kurzer Zeit wird das Gefühl vermittelt, sich mitten im Geschehen zu befinden.


Die Protagonisten dieses Stücks - drei ehemalige Physiker, von denen sich zwei für Newton und Einstein halten und einer glaubt, vom Geist Salomos heimgesucht zu werden - machten auf mich einen recht undurchdringlichen Eindruck. Auf der einen Seite wird einem zwangsläufig das Bild von verrückten alten Männern vermittelt, auf der anderen Seite merkt man schnell, dass mehr dahintersteckt. Denn die drei Männer machten die meiste Zeit über  einen durchaus intelligenten Eindruck auf mich - aber warum sollten sie dann ihre Krankenschwestern umbringen oder so scheinbar verrückte Dinge tun und sagen?
Im Mittelpunkt des Wahnsinns - wenn es sich denn tatsächlich um Wahnsinn handelt - steht der ehemalige Kernphysiker Möbius. Er ist der Entdecker einer Formel, die eigenen Angaben zufolge die Welt retten könnte - oder aber für deren Zerstörung verantwortlich wäre. Wie wir gegen Ende erfahren, täuscht Möbius seine Verrücktheit nur vor, um zu verhindern, dass diese Weltformel jemals an die Öffentlichkeit gerät.
Das zentrale Thema dieses Dramas ist der Zusammenhang von Wissenschaft und Verantwortung. Als Leser wird man zwangsläufig vor die Fragen gestellt: Ist die Wissenschaft tatsachlich wie ein wildes Tier und verantwortlich für den Fortbestand der Menschheit? Oder ist es Aufgabe aller Menschen, wissenschaftliche Erkenntnisse verantwortungsvoll zu nutzen? Ist Unwissenheit nicht vielleicht sogar das Beste?
Auch wenn es mir persönlich schwer gefallen ist, mir das Ausmaß der von Möbius entdeckten Theorie vor Augen zu führen und mir der unermesslichen Macht, die der Besitzer dieser Formel hätte, bewusst zu werden, ließ mich die Suche nach Antworten auf diese Fragen nicht mehr los.


„Verrückt, aber weise.“
„Gefangen, aber frei.“
„Physiker, aber unschuldig.“ - Seite 77


Auf den letzten Seiten scheint die große Diskussion zwischen den drei Physikern, die sich inzwischen alle die Maske vom Gesicht gerissen haben, dann endlich zu einer Entscheidung zu führen - einer Entscheidung zugunsten der Rettung der Menschheit.
Doch bevor endgültig das Gefühl aufkommt, es könnte vielleicht doch noch zu einem guten Ende kommen, wartet eine schockierende Wendung auf den Leser, die alles bisher Gelesene noch einmal völlig auf den Kopf stellt. Mich jedenfalls hat das Buch vollkommen sprachlos zurückgelassen und ich bin überzeugt, dass es nicht nur mir so ging.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich wirklich schwer begeistert bin. Dieses Buch zeigt, dass Schullektüren längst nicht immer nur langweilig sein müssen. Obwohl das Buch schon so alt ist, ist der Grundkonflikt immer noch aktuell - vielleicht sogar aktueller denn je. Deswegen gibt es von mir eine ganz klare Leseempfehlung!

Fazit:
Das Drama „Die Physiker“ hat es geschafft, mich mithilfe der durch den zentralen Konflikt unweigerlich aufkommenden moralischen und ethischen Fragen vollkommen in seinen Bann zu ziehen. Ob gut oder böse, richtig oder falsch, alles wird in Frage gestellt, allgemeine Wertvorstellungen scheinen nicht mehr zu existieren. Mit wenigen Worten erzeugt der Autor eine ungeheure Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Ein wirklich großartiges Buch, das auch lange nach der letzten Seite nicht mehr loslässt!




Mehr Infos zum Titel? Klickt hier.

Sonntag, 24. September 2017

Your Bookish Identity Tag

Hallo ihr Lieben!
Heute bestreite ich für euch den Your Bookish Identity Tag. Auf den Tag aufmerksam geworden bin ich durch Lea von liberiarium.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und bin gespannt, was ihr zu meiner „Buchidentität“ sagt!




  1. Der erste Charakter, für den du geschwärmt hast
Puh, das ist wirklich eine komplizierte Frage, da ich mich wirklich überhaupt nicht daran erinnern kann, für welchen Buchcharakter ich als erstes so richtig geschwärmt habe . . . Ich glaube aber, dass - abgesehen von den Klassikern wie Pippi Langstrumpf oder Michel aus Lönneberga - Gideon de Villiers aus der Edelsteintrilogie zu den ersten Buchfiguren gehört, in die ich mich Hals über Kopf verliebt habe.


2. In welcher dystopischen/ fantastischen Welt würdest du gerne leben?
Natürlich in der Welt von Harry Potter! Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie toll es für mich wäre, selbst eine Hexe zu sein, in Hogwarts zur Schule zu gehen und mich durch all die Läden in der Winkelgasse zu stöbern!

3. Wer wäre dein göttlicher Elternteil?
Auch diese Frage finde ich sehr schwer zu beantworten, da ich mich mit keiner der griechischen Gottheiten zu 100 Prozent identifizieren kann. Am ehesten kämen für mich vermutlich Athene oder Apollo infrage. Die beiden gehören übrigens auch mit zu meinen Lieblingsgöttern!


4. Welches wäre dein Hogwarts-Haus?
Anscheinend kann man es nie oft genug sagen . . . Wie ihr vielleicht schon wisst, bin ich eine Ravenclaw mit Leib und Seele! Wobei ich vor kurzem festgestellt habe, dass ich vielleicht doch nicht ganz so viel logisches Denkvermögen besitze - eine gute Freundin von mir, ebenfalls eine Ravenclaw, hat mich vor ein paar Rätsel gestellt mit der Frage, ob ich es denn in den Gemeinschaftsraum schaffe . . . Wie sich herausgestellt hat, würde ich ohne meine Mit-Ravenclaws das eine oder andere Mal wirklich aufgeschmissen sein! Hier eine kleine Kostprobe: Was wird nasser und nasser, je mehr es trocknet? Die Antwort darauf ist eigentlich extrem logisch und simpel . . . Ihr könnt ja gerne mal euer Glück versuchen, ich bin gespannt auf eure Antworten und natürlich darauf, ob ihr die Lösung schneller herausfindet als ich!
(An dieser Stelle übrigens noch einmal ein großes Dankeschön an die liebe Kat für die tolle Karte, die sie mir als kleines Geburtstagsgeschenk geschickt hat!)


5. In welcher Fraktion wärst du?
Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich zu den Unbestimmten gehören würde, da ich mich, glaube ich, in keiner Fraktion so richtig wohlfühlen würde. Die Lebensweise der Altruan finde ich zwar löblich, aber übertrieben - ich könnte mich niemals so sehr für andere einsetzen und dabei mich selbst so weit in den Hintergrund rücken. In so einer tristen grauen Umgebung zu leben, wäre einfach nichts für mich.
Zu den Candor fühle ich mich ebenfalls alles andere als hingezogen - die Vorstellung, alles von mir preiszugeben und für meine Mitmenschen wie ein offenes Buch zu sein, ist schlichtweg angsteinflößend.
Die Ferox kämen für mich auf keinen Fall infrage, da ich weder extrem leichtsinnig noch extrem mutig und außerdem nicht besonders sportlich bin. Überdies würde ich die Initiation vermutlich ohnehin nicht überleben und meine Ängste möchte ich auch nicht preisgeben.
Wenn ich mich entscheiden müsste, würde es vermutlich auf die Amite oder die Ken hinauslaufen. Bei den Amite würde ich mich auf jeden Fall wohlfühlen, aber ich bin ein viel zu diskussionsfreudiger Mensch, als dass ich dort auf Dauer leben könnte. Und bei den Ken würde es mir irgendwann zu stressig werden. Deswegen würde ich mich selbst am ehesten als Unbestimmte bezeichnen.

6. Wärst du ein Schattenwesen oder ein Nephilim?
Obwohl ich wirklich gerne ein Schattenjäger wäre, wäre diese ganze Kriegersache vermutlich eher nichts für mich. Wäre ich ein Schattenwesen, dann würde ich am liebsten zu den Hexenmeistern gehören - weil ich dann mit Sicherheit irgendein cooles Merkmal hätte und natürlich wegen der Zauberkraft. Aber auch zum Werwolfdasein würde ich nicht unbedingt Nein sagen . . .

7. Was wäre dein Ilvermorny-Haus?
Wer sich ein bisschen mit der Geschichte von Ilvermorny befasst hat, weiß vielleicht noch, dass alle vier Häuser (Thunderbird, Horned Serpent, Pukwudgie und Wampus) einen jungen Zauberer für sich „beanspruchen“ können. Wird man von mehr als einem Haus erwählt, so kann man selbst entscheiden, in welchem man seine Schulzeit verbringen möchte. Ich habe den Pottermore-Test mehrmals gemacht und es kamen bei mir sowohl Horned Serpent als auch Pukwudgie infrage. Da ich ein riesiger Fan von Queenie Goldstein bin und sie zum Hause Pukwudgie gehörte, fiel mir die Entscheidung natürlich nicht schwer!
Es wird übrigens gesagt, dass Pukwudgie das Herz einer Hexe oder eines Zauberers repräsentiert.

8. E-Book oder Print?
Hm, das ist natürlich schwer . . . nein, eigentlich nicht. Ich persönlich besitze nämlich gar keinen E-Reader und habe auch noch nie in meinem Leben ein E-Book gelesen. Obwohl Printausgaben eindeutig teurer sind, werden sie für immer fester Bestandteil meines Leselebens sein. Ich brauche einfach das Gefühl, ein Buch zwischen den Händen zu halten und die Seiten umblättern zu können! Außerdem machen sich E-Books längst nicht so schön im Regal . . .



So, das war's auch schon wieder mit dem Your Bookish Identity Tag! Mir hat es wirklich Spaß gemacht und ich hoffe, ihr habt auch ein bisschen Lust bekommen, den Tag zu machen! Verratet mir doch gerne eure Antworten in den Kommentaren oder hinterlasst einen Link zu euren Blogposts.
Man liest sich!
Isabell







Sonntag, 17. September 2017

[Rezension] Die Kinder



Autor: Wulf Dorn
Verlag: Heyne
Seiten: 320
ISBN  978-3-453-27094-7
Preis: 16,99€ (Klappenbroschur)


Inhalt:
Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.


Meine Meinung:
Auf diesen Titel aufmerksam geworden bin ich durch eine gute Freundin, die mir die Bücher von Wulf Dorn regelmäßig ans Herz gelegt hat. Als ich sah, dass bald ein neues Buch von dem Autor erscheinen würde, habe ich die Gelegenheit gleich beim Schopf gepackt und das Buch beim Verlag angefragt. Wenig später hat der Postbote ein Buchpaket vorbeigebracht und ahnungslos, wie ich war, habe ich auch gleich mit dem Lesen angefangen . . .
Vorab gesagt, ich hatte extrem hohe Erwartungen an das Buch. Das erste Kapitel hat mich daher leider etwas enttäuscht. Die ersten Seiten waren an einigen Stellen sehr verwirrend und wirkten ein wenig zäh. Das weckte in mir die Befürchtung, ich hätte nun über eine 320 Seiten fade Erzählung vor mir und nahm mir zunächst die Lust, weiterzulesen. (Rückblickend gesehen zeugt das Kapitel aber durchaus von Relevanz für den Verlauf der Geschichte.)
Schon bald war es jedoch, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Ich habe mich dann doch relativ schnell mit dem Schreibstil anfreunden können und ab da gab es kein Zurück mehr.


,,Es ist die Welt, vor der Sie sich fürchten sollten. Diese verrückte Welt." - Seite 69


Im Klappentext heißt es, Psychologe Robert Winter arbeitet an dem Fall der scheinbar verrückt gewordenen Laura Schrader. Eigentlich jedoch besteht das Buch zu einem großen Teil aus Rückblenden und Erzählungen von Laura. Und die haben es wirklich in sich.
Immer wieder geschehen scheinbar mysteriöse und unerklärbare Dinge - und immer sind Kinder involviert, die sich irgendwie anders verhalten. Zudem sind alle Bewohner eines Dorfes scheinbar spurlos verschwunden. Und dabei hat Laura gerade genug eigene Probleme - sie ist schwanger und der Vater, ein Karrieremann, weigert sich, das Kind zu akzeptieren. Laura jedoch will es behalten - und das, obwohl mit dem ungeborenen Baby eindeutig etwas nicht stimmt. Es scheint mit seiner Mutter kommunizieren und sie sogar kontrollieren  zu können und ,,zeigt" ihr außerdem immer wieder erschreckende Szenerien aus aller Welt. Diese Ereignisse, die sie bis in ihre Träume heimsuchen, handeln allesamt davon, wie sehr Kinder auch heutzutage immer noch missbraucht und ausgenutzt werden. Diese kleinen Zwischensequenzen sind vor allem eines: erschreckend realistisch. Die Tatsache, dass genau solche Dinge auch in Wirklichkeit geschehen, ging mir sehr nah. Auf der anderen Seite hat es bei mir großen Eindruck hinterlassen, wie schonungslos gesellschaftskritisch dieses Buch ist.


Kommen wir zurück zu Laura Schrader: Nachdem ihre Nichte Mia sich immer seltsamer verhält und kaum noch auf ihre Mitmenschen reagiert, beschließen sie und ihre Schwester Su, ein wenig Zeit im Ferienhaus der Familie zu verbringen. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, Mia, obwohl nur acht Jahre alt, wirkt durch ihre seltsame Apathie immer furchteinflößender - und dann verschwindet sie plötzlich.
Ab da wusste ich, dass ich es nicht mit einem wirklich guten, sondern mit einem absolut genialen Psychothriller zu tun hatte. Denn das Dorf, in dem das Ferienhaus liegt, ist jenes, dessen Einwohner alle spurlos verschwunden zu sein scheinen. Und was Laura Robert Winter erzählt, ist in der Tat unglaublich. Innerhalb von wenigen Seiten wird der Leser immer wieder an die Grenzen der Vorstellungskraft gestoßen - was geschieht, ist so schockierend, dass man förmlich hofft, dass Laura tatsächlich den Verstand verloren hat.
Was mich persönlich wirklich beeindruckt hat, ist, dass der Autor es geschafft hat, Mystery-Aspekte in die Handlung einzubauen, ohne, dass es unrealistisch wirkt. Denn einige Dinge in diesem Buch lassen sich einfach nicht logisch erklären und dennoch erschienen sie mir weit entfernt vom Fantasy-Genre - etwas, das mir sehr zu denken gegeben hat. Besonders die letzten Seiten sind so dicht an Handlung und Atmosphäre, dass die Redewendung nicht mehr aus der Hand zu legen eine völlig neue Bedeutung für mich bekommen hat. Das Ende, in dem Rückblenden und Gegenwart endlich zusammenfließen, hat mich sprachlos sowie extrem geschockt zurückgelassen.
Dieser Titel ist auf jeden Fall nicht für schwache Nerven geeignet. Wulf Dorn spielt in ,,Die Kinder" meisterhaft mit der menschlichen Psychologie und geht dabei schonungslos, direkt und brutal vor. Das Buch ist auf jeden Fall beängstigend und vor allem eines: beängstigend gut. Mit Abstand der beste Psychothriller, den ich je gelesen habe!


Fazit:
,,Die Kinder" hat mich auch lange nach der letzten Seite nicht mehr losgelassen. Selten, nein, noch nie habe ich eine so gekonnte Mischung aus fesselnder Handlung, schockierenden Wendungen und ungebremster Gesellschaftskritik gelesen. Das Buch ist nicht nur extrem angsteinflößend, sondern regt auch zwangsläufig zum Nachdenken an und sorgt garantiert für schlaflose Nächte. Allerdings muss man als Leser auch eine Menge verkraften können. Dennoch bin ich schwer begeistert und werde immer mit einem Rest Gänsehaut an die Lektüre zurückdenken. Wer Sebastian Fitzek mag, wird Wulf Dorn lieben, das verspreche ich!








Vielen Dank an den Heyne-Verlag und die Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

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Dienstag, 12. September 2017

[Rezension] Aquila

Autorin: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
Seiten: 432
ISBN 978-3-7855-8613-6                      
Preis: 16,95€ (Klappenbroschur)


Inhalt:
Ohne Erinnerung an die letzten zwei Tage streift die Studentin Nika durch Siena. Sie vermisst ihr Handy, ihre Schlüssel und ihren Pass. Mitbewohnerin Jennifer ist ebenfalls verschwunden. Dafür steckt in Nikas Hosentasche ein Zettel mit mysteriösen Botschaften und Anweisungen.
Das Blut ist nicht deines.
Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist.
Halte dich fern von Adler und Einhorn . . .

Welchen Sinn soll das ergeben? Und was, zum Teufel, ist geschehen zwischen Samstagabend und Dienstagmorgen?


Meine Meinung:
Schon lange, bevor das Buch auf den Markt kam, wurde wieder eine Menge Werbung für den neusten Thriller von Ursula Poznanski gemacht und der kürzlich erschienene Titel eroberte die Bestsellerlisten wieder einmal im Sturm. Da ich die Bücher der Autorin bis jetzt immer sehr gern gelesen habe, war ich natürlich mehr als neugierig, was sich hinter dem Mysterium Aquila verbirgt.
Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Nika ohne jegliche Erinnerung an die letzten zwei Tage aufwacht. Das Szenario an sich - eine Protagonistin, die an Amnesie leidet und nicht weiß, wo sie sich befindet oder was geschehen ist - ist zwar nichts Neues, die Umsetzung hatte aber etwas Erfrischendes an sich.
Die ganze Anfangssituation machte einen bedrohlichen, aber auch reichlich verwirrenden Eindruck. Zwei Tage scheinen völlig weg zu sein, zudem noch seltsame Drohungen und mysteriöse Warnungen in der eigenen Handschrift - eine beängstigende Vorstellung, oder?


Weihnachten voller Angst. Sic Transit Gloria. Sieh nach, was der Kapitän isst. -Seite 19


Ich persönlich bin ja ein riesiger Fan von Rätseln, deren Lösungen sich erst nach und nach zusammensetzen. Auf die kryptischen Anweisungen, die Nika gleich zu Anfang der Geschichte findet, reagierte ich zunächst wie vor den Kopf gestoßen. Auf der anderen Seite herrschte bei mir sofort der Drang, erfahren zu müssen, was dahintersteckt! Und was soll ich sagen - Ursula Poznanski weiß, wie man seine Leser fesselt! Die Ereignisse der vergangenen Tage werden nach und nach rekonstruiert und man erhält immer wieder kleine Informationshäppchen, die einen verzweifelt auf mehr hoffen lassen. Ich war wirklich begeistert, wie sich alles nach und nach zusammengefügt hat.
Dazu kommt, dass gerade auf den letzten 100 Seiten eine wahre Gänsehautatmosphäre herrscht, die dafür gesorgt hat, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und bis tief in die Nacht lesen musste. Der Gruselfaktor ist hier auf jeden Fall hoch und einige Stellen sind sicherlich nicht für schwache Nerven geeignet. Besonders beeindruckt hat mich dabei, dass eine so große Spannung erzeugt werden konnte, obwohl ja letztendlich alles schon längst passiert ist!


Sehr interessant und außergewöhnlich fand ich auch das Setting. Durch die detaillierten Beschreibungen hat es sich angefühlt, als wäre man selbst mitten in Siena und ich konnte noch einmal in meinen Erinnerungen an den diesjährigen Sommerurlaub in Italien schwelgen. Hinzu kommt, dass man - ganz nebenbei - die eine oder andere italienische Floskel lernt und sich ein wenig mit der Kultur auseinandersetzt, ohne dass die Handlung dadurch beeinträchtigt wird.
Mit der Protagonistin konnte ich mich allerdings nicht besonders gut anfreunden. Nikas Gedanken und Handlungen waren zwar nachvollziehbar, aber mir fehlte das Charakteristische. Ich hätte mir vielleicht die eine oder andere Eigenschaft an ihr gewünscht, die sie von der Masse abhebt, etwas, das den Leser sofort denken lässt: DAS ist Nika! Stattdessen machte sie einen austauschbaren Eindruck auf mich, was ich wirklich schade finde. Ganz anders sieht das bei Jenny, Nikas verschwundenen Mitbewohnerin, aus. Im Laufe der Nachforschungen, die über sie angestellt werden, kommen ein paar abschreckende Wahrheiten ans Licht, dennoch hat mich die Figur sehr fasziniert - und das, obwohl sie kein einziges Mal aktiv auftritt.
Insgesamt lässt sich sagen, dass dieser Titel mich trotz meiner Kritikpunkte keinesfalls enttäuscht hat und bis zum Ende rasant und spannend war!


Fazit:
Obwohl einige Passagen zu Beginn eher ereignislos erschienen und die Protagonistin kein großes Identifikationspotenzial bietet, konnte „Aquila“ mich bestens unterhalten. Ursula Poznanski verknüpft in ihrem neuen Bestseller erneut scheinbar merkwürdige Rätsel mit der Realität und hält den Leser dabei in ihrem Bann. Wer nach einem fesselnden Jugendthriller mit Gänsehautgarantie sucht, dem kann ich das Buch guten Gewissens weiterempfehlen.






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Mittwoch, 6. September 2017

[Rezension] Caraval

Autorin: Stepanie Garber (aus dem Amerikanischen von Diana Bürgel)
Verlag: ivi
Teil einer Reihe: Eine Fortsetzung ist in Planung, genauere Infos gibt es aber noch nicht.
Seiten: 400
ISBN 978-3-492-70416-8
Preis: 14,99€ (Klappenbroschur)


Inhalt:
Scarlett Dragna fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel, in denen Realität und Zauber nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt ...


Meine Meinung:
Wer in der Bookstagram-Community aktiv ist oder sich mit (englischen) Buchblogs beschäftigt, kommt sicher nicht umher, auf dieses Buch aufmerksam zu werden. „Caraval“ wird von Fans aus aller Welt in den höchsten Tönen gelobt und schaffte es unter anderem auf die NYT-Bestsellerlisten. Ich war natürlich sehr gespannt, was sich dahinter verbirgt und habe deshalb direkt zugegriffen, als ich das Buch in der Bibliothek entdeckt habe.
Zu Beginn der Geschichte findet man eine Sammlung von Briefen vor, die die Protagonistin Scarlett allesamt über die Jahre hinweg an den Master des mysteriösen Spiels Caraval geschrieben hat. In diesen Briefen bittet sie immer wieder darum, Zugang zu dem Spiel zu erhalten. Sieben Jahre lang erhält sie nie eine Antwort - erst, als sie mit einem fremden Grafen verlobt werden soll, erhält sie eine Einladung als Master Legends Ehrengast. Scarlett wäre vermutlich außer sich vor Freude gewesen, wäre da nicht ein Problem: ihr Vater. Governor Dragna war mir von Anfang an in jeglicher Hinsicht unsympathisch. Er terrorisiert nicht nur seine Töchter und Untergebenen, sondern ist auch in eine Menge perverse Machtspielchen verwickelt. Zum Beispiel hat er Scarlett mit einem fremden Mann verlobt, ohne, dass sie ihn jemals kennengelernt hat, in der Hoffnung, seine Tochter kontrollieren und ein gutes Geschäft machen zu können.
Scarlett selbst erschien mir zunächst wie ein sehr bodenständiger und realistischer Mensch. Sie tut alles dafür, um ihre Schwester Donatella zu beschützen, denn um seine Töchter zu bestrafen, ist der Governor oft gewalttätig gegenüber der jeweils anderen Schwester. Dabei merkt man sofort, wie nahe Scarlett und Donatella sich stehen. Ihre Beziehung spielt das ganze Buch über eine relevante Rolle und ist der Antrieb der Geschichte, obwohl die beiden auf den ersten Blick eher verschieden erscheinen. Donatella ist ein Freigeist und geht gerne Risiken ein, während Scarlett sehr vernünftig wirkt und sich, so scheint, widerstandslos dem Willen ihres Vaters unterwirft - auch wenn sich das später drastisch ändert.


Das Ganze spielt in einer Fantasywelt, die allerdings nicht näher erläutert wird. Natürlich liegt der Schwerpunkt hier ganz klar bei Caraval und eher wenige auf der Welt draußen, aber Begriffe wie die Insel Trisda und Elantinische Dynastie machten dadurch einen befremdlichen Eindruck auf mich. Ich hätte gerne mehr darüber gewusst, wie ich das alles einzuschätzen habe und wie diese fiktive Welt aufgebaut ist, zumal es eben eindeutig nicht um die Welt geht, wie wir sie kennen.


Kommen wir endlich zu Caraval selbst: Ich muss ja zugeben, die Idee hat mich von Anfang an fasziniert. Aber die Umsetzung - die ist absolut grandios und hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen! Ich bin wirklich mehr als begeistert, wie toll die Atmosphäre von diesem geheimnisvollen Ort beschrieben wird. Bei Caraval handelt es sich um eine Art Mischung aus einem Zirkus, einem interaktiven Theaterstück und einer Schatzsuche. Dafür wurde eigens eine kleine Stadt auf einer Insel errichtet, und obwohl dort so einiges einen furchteinflößenden Eindruck macht, hatte ich beim Lesen das dringende Bedürfnis, ebenfalls Teil dieses Spiels zu sein. Die Farben, Gerüche und die Umgebung wurden so detailverliebt beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, mittendrin zu sein.
Besonders spannend und außergewöhnlich finde ich die Tatsache, dass in Caraval wirklich alles anders zu laufen scheint. Es mag vielleicht verrückt wirken, dass dort nicht mit Geld, sondern zum Beispiel mit Geheimnissen, Ängsten und sogar Lebenszeit bezahlt wird, aber ich liebe die Idee und dass alles so herrlich abstrus ist! Teilweise hatte ich das Gefühl, Caraval wäre eine Art modernes Wunderland und ich wäre schrecklich gerne als Alice darin herumspaziert!
Und dann wäre da natürlich noch Legend, der sagenumwobene Master von Caraval. Das Mysterium Legend ist eigentlich die gesamte Geschichte über aktuell und immer wieder habe ich mich gefragt, wer oder was dahintersteckt. Ich habe während des Lesens so einige Vermutungen über ihn aufgestellt, dennoch wurde ich immer wieder in die Irre geführt. Womit wir auch gleich beim nächsten Punkt wären: Dass die Autorin den Leser immer und immer wieder in die Irre führt. Teilweise war ich tatsächlich so überrascht und geschockt, dass ich mit offenem Mund vor dem Buch saß und nichts anderes denken konnte als Oh. Mein. Gott. Das ist jetzt gerade nicht wirklich passiert, oder?


Was mir ebenfalls positiv im Gedächtnis geblieben ist, ist die Tatsache, dass es zwar eine Liebesgeschichte gibt, die aber eher im Hintergrund abläuft. Das ist für mich insofern positiv, als dass die eigentliche Handlung und die Beziehung von Scarlett zu ihrer Schwester hier eindeutig wichtiger erscheinen. Alles andere hätte vermutlich den Reiz des Buches - das Abtauchen in die fremde, verrückte, traumhafte und auch beunruhigende Welt von Caraval - deutlich abgemindert. Generell hat mir die Art, wie die Charaktere miteinander interagieren, sehr zugesagt.


Der Showdown hat mich, das muss ich ehrlich zugeben, etwas verwirrt. Nicht, dass er nicht absolut fesselnd war, aber da an dieser Stelle Realität und Fantasie beziehungsweise Magie in direkter Konfrontation aufeinandertreffen, war es für mich zunächst ein wenig schwierig, den Überblick darüber zu behalten, was jetzt tatsächlich geschehen ist und warum.
Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass ich es sehr genossen habe, dieses Buch zu lesen, einfach, weil es mehr oder weniger von allem, was ich bisher gelesen habe, auf eine einzigartige Weise unterscheidet. Abgerundet wird das Ganze dann auch noch von einem wunderschönen Cover, das das Buch auch im Regal zu einem echten Hingucker macht!


Fazit:

„Caraval“ wird mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Besonders überzeugen konnte mich der außergewöhnliche Schauplatz, an dem eine einzigartige Stimmung herrscht. Die verschwimmenden Grenzen zwischen dem, was real ist und was nicht, haben vielleicht an der einen oder anderen Stelle den Lesefluss stocken lassen, aber dennoch hat es mir wirklich großen Spaß gemacht, in die Welt einzutauchen. Seitdem ich das Buch beendet habe, warte ich überdies sehnsüchtig auf meine Einladung nach Caraval und ich kann euch versichern, ihr werdet es auch tun!

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Samstag, 2. September 2017

Lesemonat August 2017

Hallo ihr Bücherwürmer da draußen!
Hier kommt mein Lesemonat August. In diesem Monat habe ich 12 Bücher gelesen, die zusammen 4.622 Seiten haben. Das entspricht etwa 149 Seiten pro Tag.
Folgende Titel waren dabei:


-Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott
-Das Reich  der sieben Höfe - Flammen und Finsternis
-Die wahre Geschichte von Regen und Sturm
-Mit Worten kann ich fliegen
-The Sun is also A Star
-Die Physiker
-Doctor Who - Winner Takes All
-Wie Monde so silbern (reread)
-Milchmädchen
-Im Jahr des Affen
-Das verlorene Symbol
-New York zu verschenken


Zu meinen Highlights gehören auf jeden Fall Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott und Das Reich der sieben Höfe - Flammen und Finsternis, aber den Titel Buch des Monats erhalten dennoch beide nicht. Warum? Weil ein anderes Buch, Mit Worten kann ich fliegen von Sharon M. Draper, mich unglaublich überrascht und so tief getroffen hat, dass es noch immer nachhallt. Genaueres dazu in meiner Rezension.
Ebenfalls überraschen und begeistern konnte mich Die Physiker von Friedrich Dürrenatt. Ich habe das Buch für den Deutschunterricht gelesen, und Schullektüren sind ja immer so eine Sache. Aber dieses Drama hat mir so unglaublich gut gefallen, dass ich es nur schwer in Worte fassen kann. Es regt nicht nur sehr zum Nachdenken an, sondern lässt den Leser auch mit offenem Mund zurück. Beim Lesen konnte ich manchmal nichts anderes denken als Wow, ist das gerade wirklich passiert?


Auch was die Neuzugänge angeht, war dieser Monat wieder sehr erfolgreich . . . Aber seht selbst:


Von oben nach unten: Das Schweigen der Lämmer; Die Therapie; Abgeschnitten; Jahreszeiten; Das Parfüm; Jane Eyre: New York zu verschenken; Ziemlich beste Freunde; Das Reich der sieben Höfe - Flammen und Finsternis; Eine Weihnachtstragödie und andere Fälle; Wie Monde so silbern; The Bane Chronicles
Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich von den 12 Büchern nur eines (Das Reich der sieben Höfe - Flammen und Finsternis ) selbst gekauft habe. New York zu verschenken habe ich als Rezensionsexemplar erhalten. Einen großen Teil des Stapels hat mir meine Mutter auf einem Flohmarkt spendiert - die örtliche Bibliothek hatte dort einen großen Stand, an dem Second-Hand-Bücher für einen guten Zweck günstig verkauft wurden. Deswegen befinden sich auch eine Menge Klassiker unter meinen Neuzugängen, auf die ich alle sehr gespannt bin!
Die restlichen Bücher sind ebenfalls Geschenke, vielen Dank noch mal an die entsprechenden Personen!


Jetzt würde mich natürlich interessieren: Wie sieht euer Lesemonat aus? Schreibt es mir doch gerne in die Kommentare oder hinterlasst einen Link zu euren Blogposts.
Man liest sich!
Isabell

Mittwoch, 30. August 2017

[Rezension] New York zu verschenken

Autorin: Anna Pfeffer (Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit)
Verlag: cbj
Seiten: 336
ISBN 978-3-570-17397-8
Preis: 14,99€ (Klappenbroschur)

Inhalt:
Anton hat alles, was sich ein 17-Jähriger wünscht: vermögende Familie, liebende Eltern und keine Geschwister. Was Anton seit Kurzem auch noch hat: eine Ex-Freundin. Olivia hat ihn grundlos nach ein paar Monaten abserviert, und das, obwohl er sie doch mit einer Reise nach New York überraschen wollte. Das Ticket ist auch schon auf ihren Namen gebucht. Kurzerhand startet der selbstsichere Sonnyboy via Instagram die Suche nach einer neuen Olivia Lindmann. Der Andrang ist mäßig, aber es meldet sich eine 16-jährige Liv, die ganz anders ist, als die Mädchen, die Anton sonst trifft …

Meine Meinung:
Nachdem ich das Buch beim Bloggerportal angefragt und  die Bestätigung erhalten habe, saß ich wie auf heißen Kohlen, weil ich mich so auf dieses Buch gefreut habe. Der Klappentext machte einen sehr lustigen Eindruck auf mich und die Grundidee wirkte sehr originell.
Zugegebenermaßen war mir die Tatsache, dass das Buch ausschließlich im Chatstil geschrieben ist, zunächst gar nicht so wirklich bewusst. Als ich es dann in den Händen hielt, war ich also ein wenig skeptisch. Meine Meinung zu dieser Art der Erzählung ist ziemlich gespalten. Auf der einen Seite fehlt in gewisser Weise einfach das Gefühl und die Atmosphäre, auf der anderen Seite kann es aber auch sehr unterhaltsam sein. Da kommt es wirklich auf Buch und Autor an.
In diesem Fall lässt sich alles sehr flüssig lesen. Durch die wenig anspruchsvolle Erzählweise fliegen die Seiten nur so dahin und man bekommt auf diese Weise eine andere Sicht auf die Charaktere, als man es vielleicht bei einem Fließtext gehabt hätte.
Der Dialog zwischen Olivia Lindmann, genannt Liv, und Anton, der nach einer neuen Reisebegleitung sucht, sprüht nur so vor Schlagfertigkeit. Das hat mir an der einen oder anderen Stelle ein Grinsen ins Gesicht getrieben und manchmal musste ich auch  laut loslachen, weil die Situation einfach urkomisch schein.
Mit Liv konnte ich mich eindeutig besser identifizieren als mit Anton. Während sie ein eher wohlüberlegtes Leben führt, gerne Bücher liest und tiefgründigere Gedanken hat und diese dem Leser auch mitteilt, wirkt Anton eher wie ein verwöhnter Draufgänger, der es immer nur leicht im Leben hatte. Auf der anderen Seite wirkte Liv manchmal etwas naiv. Nach und nach kommt man auch hinter die Fassade der Protagonisten, sodass man merkt, dass hinter beiden mehr steckt als man zunächst glauben mag. Das ist auch ein Punkt, den ich noch einmal lobend hervorheben muss: Dass es den Autorinnen gelungen ist, mit so wenigen Worten so lebendige Charaktere zu erschaffen.
Dieses Buch ist in vielerlei Hinsicht anders, als ich erwartet habe. So dachte ich zum Beispiel nicht, dass es fast die ganze Zeit nur um den Chat-Kontakt zwischen Liv und Anton geht - vielmehr habe ich vermutet, dass ein viel größerer Teil der Geschichte tatsächlich in New York spielt. Die Idee, sich erst im Flugzeug tatsächlich zu sehen, fand ich wiederum sehr interessant und es war auch schön, mitanzusehen, wie die Protagonisten sich unbewusst immer näherkommen.
Gegen Ende erwartet den Leser ein riesiger Plot Twist, der für mich persönlich aber leider vorhersehbar war. Ich hatte schon damit gerechnet, weswegen es keine große Überraschung mehr für mich war. Dennoch fand ich das Ende und überhaupt die letzten Seiten sehr unterhaltsam.
Rückblickend gesehen frage ich mich, ob man das Potenzial des Buches wohl noch etwas weiter hätte ausbauen können, wenn es bloß zum Teil aus einem Chatverlauf bestehen würde und zum Teil aus einem Erzähltext. Dennoch habe ich das Buch gerne gelesen und kann eine klare Empfehlung aussprechen, wenn ihr Lust habt auf eine unverfängliche, etwas andere Liebesgeschichte, die auch ab und an für einen Lacher sorgt.

Fazit:
Obwohl viele Aspekte sicherlich diskutierbar sind, konnte mich dieses Buch gut unterhalten. Besonders die Lebendigkeit und die Schlagfertigkeit der Charaktere sowie die authentische, wenn auch gewöhnungsbedürftige Erzählweise konnten mich überzeugen. Ein nettes Stück Unterhaltungsliteratur für zwischendurch, bei dem aber der Wow-Effekt fehlt.


Vielen Dank an den cbj-Verlag und die Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar!



Mittwoch, 23. August 2017

Warum ich blogge, wie ich blogge

Hallo ihr Lieben!
Diesen Juni ist mein Blog ein Jahr alt geworden - kaum zu glauben, dass das schon so lange her ist! Aus diesem Grund würde ich mit diesem Post gerne sowohl eine Art Rückblick machen als auch über meine Bloggergewohnheiten und -ansichten sprechen. Das Ganze habe ich der Übersicht halber in vier Kategorien aufgeteilt: Design, Rezensionen, Alte Posts und Aller Anfang ist schwer.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


Design
Wer meinen Blog vielleicht schon aus der Entstehungsphase kennt, wird mir sicherlich zustimmen, wenn ich sage: Es war grauenhaft. Wirklich, wenn ich heute daran zurückdenke, fällt es mir extrem schwer zu begreifen, was ich mir dabei gedacht habe. Aber auch das gehört dazu!
Mein Design hat sich im Laufe des letzten Jahres ein, zweimal grundlegend verändert und an Kleinigkeiten habe ich eigentlich regelmäßig herumgebastelt. Nun kann ich endlich sagen, dass ich wirklich zufrieden mit meinem jetzigen Design bin und dass ich eine Umgebung gefunden habe, in denen ich mich mit meinen Beiträgen wohlfühle. Natürlich ist es noch immer nicht perfekt! Aber man muss dabei bedenken, dass ich das alles selber mache und ich mich nie wirklich professionell damit auseinandergesetzt habe. (Danke, Blogger, dass du es mir so einfach gemacht hast!) Da das Bloggen für mich immer noch "nur" ein Hobby ist, möchte ich einfach nicht für ein professionelles Design tief in die Tasche greifen. Natürlich liebe ich selbst solche toll gestalteten Blogs und finde es großartig, wenn sich jemand solche Mühe für andere Leute gibt, aber ich beschränke mich dabei lieber auf meine eigenen Fähigkeiten, um meinem Blog eine "persönlichere" Note zu verleihen.


Rezensionen
Wer kennt sie nicht, die guten alten Rezensionen? Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, bestanden meine Beiträge fast hauptsächlich aus Rezensionen. Heute lege ich großen Wert auf gemischte Beiträge, denn ich selbst lese auch viel lieber Blogs, die vor allem eines sind: abwechslungsreich! Natürlich gehören Rezensionen aber immer noch dazu, denn wenn mir ein Buch besonders gut gefallen hat oder ich etwas zu kritisieren bzw. diskutieren habe, dann möchte ich das selbstverständlich nicht für mich behalten!
Stöbert ihr durch all die Rezensionen, die ich im Laufe des letzten Jahres verfasst habe, werdet ihr schnell merken: Die Qualität der Beiträge nimmt deutlich ab, je weiter ihr zurück geht. Womit wir auch gleich schon beim nächsten Punkt wären . . .


Alte Posts
Ich will es nicht bestreiten: Meine ersten Beiträge habe ich mit zwölf Jahren geschrieben und das merkt man auch. Als ich mit dem Bloggen begonnen habe, habe ich mir kaum Gedanken gemacht, was ich schreibe, sondern einfach drauf los geschrieben. Quantität war mir wichtig, nicht die Qualität. In meine Rezensionen kam das, was mir gerade im Kopf herumschwirrte, nicht mehr und nicht weniger. Heute plane ich meist ganz genau, was ich schreiben will und in welcher Reihenfolge. Bei Rezensionen beachte ich sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte eines Buches und ich achte viel genauer auf schlüssige Argumente und eine angemessene Ausdrucksweise. Viele meiner alten Rezensionen sind mir heute peinlich. Warum ich sie trotzdem nicht lösche?
Zunächst einmal natürlich, weil diese mit einem großen Zeitaufwand verbunden waren, aber ich bin auch der Ansicht, dass sie genauso zu meinem Blog gehören wie meine aktuellen Beiträge. Man sieht, wie sehr sich alles weiterentwickelt hat, und darauf bin ich in gewisser Weise auch stolz. Wir alle hatten einen mehr oder weniger holprigen Start - warum sollte man das verbergen?
Vielleicht werde ich solche Posts in der Zukunft löschen, aber fürs Erste bleiben sie auf jeden Fall bestehen.


Aller Anfang ist schwer . . .
. . .so war es schon immer und so wird es auch immer sein. Ich verweise an dieser Stelle noch einmal an meinen Blog in seiner Entstehungsphase.
Am Anfang hat man gefühlt eine Million Fragen, die die Motivation und den Tatendrang nur geringfügig schmälern: Man will unbedingt anfangen, aber es fehlen noch so viele Wies! Und so kommt es, dass man ständig versucht, alles zu verändern. Bei mir war es zum Beispiel so - und das ist mir heute wirklich peinlich! -, dass ich über ein halbes Jahr gebraucht habe, um herauszufinden, wie das mit dem Follower-Button funktioniert. Die ganzen Spalten und Gadgets und was es da sonst noch alles gibt haben mich schlichtweg überfordert! Und auch heute habe ich keinen hundertprozentigen Durchblick. Aber hey, so lange alles läuft, wie ich es will, ist auch alles gut, oder?
Also: Macht euch keinen Stress, versucht nicht, euch selbst irgendwie zu verbiegen und widersteht dem Drang, immer alles sofort perfekt machen zu müssen. Mit der Zeit findet ihr euren ganz eigenen Rhythmus und ihr müsst auch bedenken: Jeder Mensch ist anders! Es gibt Leute, die täglich scheinbar perfekte Beiträge auf ihrem scheinbar perfekten Blog hochladen, es gibt solche, die einmal in der Woche posten und manche bloggen nicht regelmäßig, sondern einfach nur, wenn sie Lust darauf haben. Wichtig ist nur, dass es EUCH Spaß macht, was ihr tut - unabhängig von Followern, der Art eurer Beiträge oder all den scheinbar perfekten Blogs da draußen!
Und vielleicht wird euch das leichter fallen, wenn ihr stets im Hinterkopf behaltet: Aller Anfang ist schwer!




Jetzt, nachdem ich mir alles von der Seele geredet habe, möchte ich natürlich wissen: Was sagt ihr dazu? Könnt ihr meine Ansichten nachvollziehen oder ist das alles in euren Augen völliger Unfug? Was sind eure Bloggerangewohnheiten? Schreibt es mir doch gerne in die Kommentare oder kontaktiert mich per E-Mail oder auf Instagram!
Man liest sich!
Isabell

Samstag, 19. August 2017

[Rezension] Milchmädchen

Autorin: G.R. Gemin (aus dem Englischen von Gabriele Haefs)
Verlag: Königskinder
Seiten: 272
ISBN: 978-3-551-56026-1
Preis: 16,99€ (Hardcover mit Schutzumschlag)
       
Inhalt:
Zwölf Kühe mitten in einem schäbigen walisischen Wohngebiet verstecken? Das bleibt doch niemals unbemerkt! Aber Gemmas Leben ist sowieso total durcheinander – ihr Vater ist im Knast, die Mutter abgekämpft und der kleine Bruder nervt einfach nur. Und wie sie sich mit der komischen, starken Außenseiterin Kate angefreundet hat, weiß sie eigentlich selbst nicht. Aber Kate braucht Gemmas Hilfe, damit ihre Kühe nicht verkauft werden müssen.
Gemmas Nachbarn kümmern sich normalerweise nicht so um andere Leute – geschweige denn um Tiere. Doch nun stehen dicke, muhende, Gras fressende Kühe in ihren Gärten. Und setzen einiges in Bewegung!


Meine Meinung:
Schon der erste Blick auf das Cover hat mich neugierig auf diesen Titel gemacht. Das lächelnde Mädchen mit den Sommersprossen machte einen so sympathischen Eindruck auf mich, dass ich das Buch einfach sofort zur Hand nehmen musste.
Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, sodass sich die Geschichte insgesamt sehr flüssig lesen ließ. Die Kapitel sind relativ kurz, sodass man gut mal eines zwischendurch lesen kann.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich mit der Protagonistin Gemma teilweise nicht ganz warmwerden konnte. Obwohl ausschließlich aus ihrer Sicht erzählt wird, hatte ich manchmal das Gefühl, sie nicht so ganz nachvollziehen zu können und an einigen Stellen zu Anfang war sie schlichtweg fies, weswegen es gleich von vorneherein Charaktere gab, die ich eindeutig lieber mochte. Gemmas Großmutter Lilly zum Beispiel habe ich gleich ins Herz geschlossen. Sie wirkte auf mich wie eine unheimlich liebe Person und besonders ihre Begeisterung für Kühe machte einen unglaublich charmanten Eindruck. Mir gefiel es auch sehr, wie sie mit Kate interagiert hat.
Kate lebt auf einem Bauernhof und liebt ganz besonders ihre Kühe über alles. Als sie erfährt, dass diese verkauft werden sollen, schmiedet sie deswegen auch kurzerhand einen Plan, diese vor dem Schlachthof zu bewahren. Es war sehr schön zu sehen, wie sehr sich Kate für ihre Tiere einsetzt. Obwohl sie noch so jung ist, hat sie einen eisernen Willen, ist unglaublich selbstbewusst und sowohl geistig als auch körperlich stark - das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes! Besonders an den Stellen, an denen sie zwei gemeine Kinder über ihre Schultern wirft und mit ihnen einfach durch die Gegend spaziert, hat sie mich sehr an eine Art moderne Pippi Langstrumpf erinnert. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich Pippi Langstrumpf als Kind heiß und innig geliebt habe - und es heute heimlich immer noch tue! Ich glaube, das Buch hätte mir fast besser gefallen, wenn es zumindest zum Teil aus Kates Sicht erzählt worden wäre. Zum einen, weil das noch ein bisschen Abwechslung in die Geschichte gebracht hätte, zum anderen, weil ich sie einfach deutlich lieber mochte als die eigentliche Protagonistin.

Gemma hat es in ihrer Familie eindeutig nicht leicht. Ihr Vater sitzt im Gefängnis, ihr Bruder ist ein Schleimer (auch wenn er sich im Laufe der Geschichte zum Positiven verändert) und ihre Mutter scheint einfach nur gegen alles und jeden zu sein. Meiner Meinung nach wurden diese familiären Probleme sehr authentisch beschrieben und wann immer Gemma deswegen aufgebracht oder frustriert war, konnte ich das gut nachvollziehen.
Auch die Umstände in der Bryn Mawr wurden glaubhaft beschrieben und es war wirklich schön, zu sehen, wie sehr sich die Nachbarschaft durch die Kühe verändert und vor allem zusammenwächst.

Dies ist zwar kein Buch, das den Leser lange im Bann hält und es gibt auch eindeutig spannendere Bücher, aber dennoch hat es mir gut gefallen. Es ist auf jeden Fall eine nette Lektüre für zwischendurch und auch bestens für jüngere Leser geeignet, da besonders Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen hier eine große Rolle spielen.


Fazit:
Zwölf Kühe, die von zwei Mädchen entführt werden und in einer Siedlung mitten in einer Stadt versteckt werden - das klingt erst einmal skurril, ist aber viel mehr als das.
Hinter „Milchmädchen“ steckt eine amüsante Geschichte mit einer wichtigen Botschaft und auch wenn das Buch vielleicht eher eine jüngere Zielgruppe anspricht, konnte es auch mich unterhalten. Wer nach einem Kinder- und Jugendbuch der etwas anderen Art sucht, ist hiermit auf jeden Fall gut bedient!



Samstag, 12. August 2017

[Rezension] Mit Worten kann ich fliegen

Autorin: Sharon M. Draper (aus dem Amerikanischen von Silvia Schröer)
Verlag: ueberreuter
Seiten: 320
ISBN 978-3-7641-7010-3
Preis: 14,95€ (Hardcover mit Schutzumschlag)


Inhalt:
Worte sind schon immer um mich herumgewirbelt wie Schneeflocken – ein jedes zerbrechlich und einzigartig, ein jedes schmilzt unberührt in meinen Händen.
Tief in meinem Inneren, häufen sich die Worte in riesigen Verwehungen. Berge von Satzteilen und Sätzen und zusammenhangenden Begriffen. Clevere Redewendungen. Witze. Liebeslieder.
Aber nur in meinem Kopf.
Ich habe nie ein einziges Wort gesprochen. Ich bin fast elf Jahre alt
.
Melody ist eine unerschütterlich positive Person, die sich von keiner Härte des Schicksals kleinkriegen lässt. Sie ist elf Jahre alt, hat ein fotografisches Gedächtnis und ist die cleverste Schülerin auf der ganzen Schule. Doch niemand weiß es. Die meisten Menschen glauben, dass sie unfähig ist zu lernen. Melody ist durch eine zerebrale Kinderlähmung schwerstbehindert und kann weder sprechen noch laufen noch schreiben. Es ist zum Wahnsinnigwerden, dass sie sich nicht verständigen kann – bis sie eines Tages doch einen Weg findet, sich auszudrücken. Leider ist nicht jeder dazu bereit, sie anzuhören.


Meine Meinung:
Auf dieses Buch bin ich nur ganz zufällig in der Bibliothek gestoßen und rückblickend kann ich nur betonen, wie dankbar ich dafür bin. Schon das erste Kapitel hat mir eine Gänsehaut beschert und besitzt eine unerwartete Tiefgründigkeit.
Es wird aus der Sicht der Protagonistin Melody erzählt, wodurch ich mich sehr gut in sie und ihre Lage hineinversetzen konnte. Sie war mir sofort sympathisch und gleichzeitig empfand ich ungeheures Mitleid mit ihr. Die Vorstellung, hochintelligent zu sein, aber nicht sprechen zu können, erschien und erscheint mir noch immer ungeheuer frustrierend. An einigen Stellen war ich schlichtweg empört und hätte am liebsten laut aufgeschrien, so sehr habe ich mir gewünscht, dass Melody in der Lage wäre, ihren Gedanken durch Worte Ausdruck zu verleihen. Für mich ist sie eine unglaublich starke und bewundernswerte Person - ich glaube, ich könnte mich nie damit abfinden, in meinen Gedanken gefangen zu sein.
Anstatt also entsprechend gefördert zu werden, vegetiert Melody in einer Behindertenklasse vor sich hin und wird von allen für unfähig und zurückgeblieben gehalten - bis sie mithilfe eines speziellen Computers tatsächlich lernt, mit anderen Menschen zu kommunizieren, genau wie ihr Vorbild Stephen Hawking. Das scheint ihr das Leben etwas leichter zu machen, aber dennoch ist es weiterhin unglaublich schwer für sie, akzeptiert zu werden und für ihre Ziele zu kämpfen. Dass sie es dennoch tut, ist ein weiterer Beweis dafür, was für einen starken Willen sie hat und dass sie eine große Vorbildsfigur ist.
Desweiteren hat mich die liebevolle Gestaltung und die Vielschichtigkeit der einzelnen Charaktere wirklich begeistert. Besonders kleinere Nebenfiguren wie zum Beispiel die junge Maria, die in Melodys Klasse geht und am Down-Syndrom leidet, musste ich einfach ins Herz schließen.
Obwohl ich gedacht habe, dass einige Geschehnisse sehr vorhersehbar wären, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Mit manchen Wendungen habe ich wirklich bis zuletzt nicht gerechnet, was das Buch für mich umso spannender machte. Der Plot konnte mich also ebenfalls vollends überzeugen.
Selten habe ich ein Kinderbuch gelesen, das mich so sehr berührt, gefesselt und aufgewühlt hat. Es ist eigentlich kein Kinderbuch, denn ich bin mir sicher, egal ob ihr acht Jahre alt seid oder achtzig, ihr werdet diese Geschichte genauso sehr lieben wie ich.


Fazit:
„Mit Worten kann ich fliegen“ ist einer von diesen Bücherschätzen, auf die man zufällig stößt und die einem dann nicht mehr aus dem Gedächtnis wollen. Eine wundervolle Geschichte mit einer umwerfenden Protagonistin, die aufwühlt und tief unter die Haut geht.
 Tut euch selbst einen Gefallen und lest dieses Buch!








Dienstag, 8. August 2017

[Rezension] Das Reich der sieben Höfe - Flammen und Finsternis


Autorin: Sarah J. Maas (aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst)
Verlag: dtv
Teil einer Reihe: 2/3
Seiten: 720
ISBN 978-3423761826
Preis: 19,95€ (Hardcover mit Schutzumschlag)

 
Inhalt:
Feyre hat überlebt. Sie hat Amarantha, die grausame Fae-Königin, besiegt und ist mit Tamlin an den Frühlingshof zurückgekehrt. Doch das scheinbar glückliche Ende täuscht. Tamlin verändert sich immer mehr und nimmt ihr allen Freiraum. Feyre hat Albträume, denn sie kann die schrecklichen Dinge nicht vergessen, die sie tun musste, um Tamlin zu retten. Und sie ist einen riskanten Handel mit Rhys eingegangen und muss nun jeden Monat eine Woche an seinem gefürchteten Hof der Nacht verbringen. Dort wird sie immer tiefer in ein Netz aus Intrigen, Machtspielen und ungezügelter Leidenschaft gezogen.


Meine Meinung:
Obwohl man nach dem Ende von Das Reich der sieben Höfe - Dornen und Rosen womöglich hätte denken können, alles sei soweit in Ordnung, wird gleich zu Beginn des zweiten Teils der internationalen Bestseller-Reihe schnell klar: nein, das ist es nicht. Man merkt sofort, dass die Protagonistin Feyre psychisch völlig am Ende ist, durch das, was sie am Ende des ersten Bandes getan hat. Und Tamlin, in den sie zuvor unsterblich verliebt war, wirkt plötzlich unglaublich besitzergreifend und entwickelt einen mehr als ausgeprägten Beschützungsinstinkt ihr gegenüber - man könnte fast sagen, er ist fast nicht mehr wiederzuerkennen. Im Laufe der Zeit wird zwar klar, dass sein Verhalten durchaus nachvollziehbar ist, aber dennoch ist Tamlin hier eindeutig nicht der Sympathieträger.
Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass es in diesem Buch teilweise nur schwer vorangeht. Gerade zu Anfang hatte ich oft das Gefühl, nicht besonders viele Seiten am Stück lesen zu können, obwohl die Handlung an sich dafür nicht verantwortlich zu sein schien. Desweiteren wurde das eigentliche Geschehen meiner Meinung nach zu häufig durch zu detaillierte Sexszenen unterbrochen. Natürlich ist Flammen und Finsternis ein Stück weit auch eine romantische Geschichte, aber die mit den romantischen Aspekten wurde meiner Meinung nach an einigen Stellen schlichtweg übertrieben. Natürlich ist das Geschmackssache, aber ich hätte mir gewünscht, dass in solchen Szenen weniger ins Detail gegangen worden wäre und der eigentliche Plot mehr Aufmerksamkeit bekommen hätte.


Dieses Buch ist wohl in vielerlei Hinsicht ganz anders als sein Vorgänger. Zum einen haben sich die Charaktere deutlich weiterentwickelt, was ich wirklich großartig finde. Zum anderen hat mich die Handlung mehrmals wirklich überrascht. Die Geschehnisse sind wirklich vollkommen unvorhersehbar und ich habe nicht selten schockiert die Luft angehalten, als es wieder einmal zu einer unerwarteten Wendung kam. Manchmal hat mich das Buch so gefesselt, dass ich es kaum noch aus der Hand legen wollte.
Besonders begeistert hat mich die tolle Atmosphäre, die Sarah J. Maas hier geschaffen hat. Ich persönlich habe mich stets gefühlt, als wäre ich mittendrin, und die Ortsbeschreibungen entführen den Leser in die entferntesten Welten, in denen man sich beinahe heimisch fühlt.


„Auf die Sterne, die zuhören – und auf die Träume, die wahr werden.“ - Rhysand auf Seite 388

Tja, und dann wäre da natürlich noch Rhysand. Wer Teil 1 gelesen hat, erinnert sich sicherlich noch an den Pakt, der besagt, dass Feyre jeden Monat eine Woche bei ihm am Hof der Nacht zu verbringen hat. Nun, ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber ich kann versprechen, dass ihr nach dem Lesen dieses Buches ganz anders über ihn denken werdet und dass auf jeden Fall einige Überraschungen auf euch warten. Und gerade gegen Ende hin wird es wirklich atemberaubend! Ich kann es auf jeden Fall kaum erwarten, bis der dritte und letzte Teil dieser Trilogie ins Deutsche übersetzt wird - leider gibt es aktuell aber noch kein Erscheinungsdatum, weswegen wir uns wahrscheinlich noch ein Weilchen gedulden müssen.
 
Fazit:
Auch der zweite Teil dieser Reihe konnte mich wieder vollauf begeistern. Obwohl ich durchaus etwas zu kritisieren habe, hat mich dieses Buch förmlich in den Bann gezogen und es herrschte eine grandiose Atmosphäre. Für Leute, die Fantasy und Romantik gleichermaßen lieben, ist dieses Buch ein absolutes Muss!