Sonntag, 6. August 2017

[Rezension] The Hate U Give


Autorin: Angie Thomas (aus dem Amerikanischen von Henriette Zeltner)
Verlag: cbt
Seiten: 512
ISBN 978-3570164822
Preis: 17,99€ (Hardcover mit Schutzumschlag)

 
Inhalt:
Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen...

 
Meine Meinung:
„The Hate U Give“ ist ein international gefeierter Bestseller, deswegen hat mich die deutsche Übersetzung natürlich sehr interessiert.
Es wird aus der Sicht der Protagonistin Starr erzählt, weswegen man sich von Anfang an gut in sie hineinversetzen kann. Man merkt gleich, wie sehr sie in einem inneren Konflikt zwischen Schwarz und Weiß steht, zwischen dem Ghetto-Viertel, in dem sie wohnt, und der überwiegend weißen Privatschule, auf die sie geht. Nirgendwo scheint sie sich so wirklich zugehörig zu fühlen und sie  kann nie wirklich sie selbst sein, denn sie versucht ständig, sich zu verstellen, um überall akzeptiert zu werden. Das mag unglaubhaft und übertrieben klingen, ist aber wirklich gut nachvollziehbar. Die Kluft zwischen den scheinbar völlig verschiedenen Welten, in denen sie lebt, wird schon im ersten Kapitel klar. Sie ist auf einer Party, auf der sie eigentlich gar nicht sein will. Die Feiernden machen sich über die Weißen lustig und es wird viel Slang geredet, was zwar erst gewöhnungsbedürftig wirkt, der Geschichte aber eine Menge Authentizität verleiht.
In Garden Heights geht es auch nicht gerade sicher zu, denn die Gegend ist voll von Drogendealern und Gangmitgliedern. So wird auch besagte Party von einer Schießerei durchbrochen, weswegen Starr und ihr Freund Khalil die Feier vorzeitig verlassen und sich in Sicherheit bringen wollen.

 
„Ich bemühe mich, nicht hinzusehen, wer angeschossen wurde und von wem. Wer nichts gesehen hat, kann auch keinen verpfeifen.“ – Kapitel 1, Seite 23

 
Während der Autofahrt nach Hause werden die beiden dann von einem Polizisten angehalten und der scheinbar unschuldige Khalil wird vor Starrs Augen erschossen. Von solchen Fällen hört man ja immer wieder und es war wirklich interessant, das alles mal aus der Sicht der Opfer zu erleben.
Die folgenden Wochen sind für Starr sehr hart. Sie hat einerseits eine Heidenangst vor der scheinbar skrupellosen Polizei, will andererseits aber unbedingt Gerechtigkeit für Khalil. Dazu kommt, dass eine ihrer besten Freundinnen sich immer mehr von ihr abzuwenden scheint und auch die Lage in Garden Heights spitzt sich immer mehr zu. Khalil wird von der Presse als Drogendealer dargestellt, der es „nicht anders verdient hat“, und der Polizist, der den wehrlosen Jugendlichen erschossen hat, als vermeintlich traumatisiertes Opfer. Das verursacht eine Reihe von Protesten und gewalttätigen Aktionen, von denen Starr aber zunächst nichts hält. Ihre inneren Konflikte werden dadurch, dass sie immer mehr Gerüchte über ihren ehemals besten Freund erfährt, die ihn immer befremdlicher wirken lassen, noch verstärkt. Dennoch tut sie alles, damit ihm Gerechtigkeit wiederfährt, und springt dabei auch über ihren eigenen Schatten.

Was mir besonders gut an diesem Buch gefallen hat, ist, dass wirklich nichts schöngeredet wird. „The Hate U Give“ ist nicht direkt ein spannender Abenteuerroman, sondern vielmehr die schockierende Realität. Es ist ebenso mitreißend wie authentisch und ich bin wirklich begeistert von der Idee, so eine Geschichte aus „anderer“ Perspektive zu erzählen. Das Protestieren, das Randalieren und vor allem die Wut aller Bewohner von Garden Heights und ähnlichen Gegenden scheint auf einmal so viel mehr Sinn zu ergeben. Es wird dem Leser mehrmals deutlich vor Augen führt, wie groß die Kluft zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten zu sein scheint.
Dieser Roman lässt einen sowohl zutiefst empört als auch mit einem kleinen Hoffnungsschimmer zurück. Ich persönlich bin wirklich begeistert und habe nur minimale Kritikpunkte, wie zum Beispiel, dass die ganzen Verwandtschaftsverhältnisse am Anfang etwas schwer zu durchblicken sind.
Dennoch halte ich dieses Buch für wirklich lesenswert!

 
Fazit:
Mit „The Hate U Give“ hat Angie Thomas es geschafft, Fiktion und Realität auf meisterhafte Weise zu verknüpfen. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Hass und die  Ungerechtigkeit dieser Welt, schonungslos, ehrlich und direkt. Ein bewegendes Buch über ein brandaktuelles Thema, das dazu anregt, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die internationale Begeisterung, die dieser Roman ausgelöst hat, ist also auf jeden Fall nachvollziehbar!

Vielen Dank an den cbt-Verlag und die Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

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