Samstag, 12. August 2017

[Rezension] Mit Worten kann ich fliegen

Autorin: Sharon M. Draper (aus dem Amerikanischen von Silvia Schröer)
Verlag: ueberreuter
Seiten: 320
ISBN 978-3-7641-7010-3
Preis: 14,95€ (Hardcover mit Schutzumschlag)


Inhalt:
Worte sind schon immer um mich herumgewirbelt wie Schneeflocken – ein jedes zerbrechlich und einzigartig, ein jedes schmilzt unberührt in meinen Händen.
Tief in meinem Inneren, häufen sich die Worte in riesigen Verwehungen. Berge von Satzteilen und Sätzen und zusammenhangenden Begriffen. Clevere Redewendungen. Witze. Liebeslieder.
Aber nur in meinem Kopf.
Ich habe nie ein einziges Wort gesprochen. Ich bin fast elf Jahre alt
.
Melody ist eine unerschütterlich positive Person, die sich von keiner Härte des Schicksals kleinkriegen lässt. Sie ist elf Jahre alt, hat ein fotografisches Gedächtnis und ist die cleverste Schülerin auf der ganzen Schule. Doch niemand weiß es. Die meisten Menschen glauben, dass sie unfähig ist zu lernen. Melody ist durch eine zerebrale Kinderlähmung schwerstbehindert und kann weder sprechen noch laufen noch schreiben. Es ist zum Wahnsinnigwerden, dass sie sich nicht verständigen kann – bis sie eines Tages doch einen Weg findet, sich auszudrücken. Leider ist nicht jeder dazu bereit, sie anzuhören.


Meine Meinung:
Auf dieses Buch bin ich nur ganz zufällig in der Bibliothek gestoßen und rückblickend kann ich nur betonen, wie dankbar ich dafür bin. Schon das erste Kapitel hat mir eine Gänsehaut beschert und besitzt eine unerwartete Tiefgründigkeit.
Es wird aus der Sicht der Protagonistin Melody erzählt, wodurch ich mich sehr gut in sie und ihre Lage hineinversetzen konnte. Sie war mir sofort sympathisch und gleichzeitig empfand ich ungeheures Mitleid mit ihr. Die Vorstellung, hochintelligent zu sein, aber nicht sprechen zu können, erschien und erscheint mir noch immer ungeheuer frustrierend. An einigen Stellen war ich schlichtweg empört und hätte am liebsten laut aufgeschrien, so sehr habe ich mir gewünscht, dass Melody in der Lage wäre, ihren Gedanken durch Worte Ausdruck zu verleihen. Für mich ist sie eine unglaublich starke und bewundernswerte Person - ich glaube, ich könnte mich nie damit abfinden, in meinen Gedanken gefangen zu sein.
Anstatt also entsprechend gefördert zu werden, vegetiert Melody in einer Behindertenklasse vor sich hin und wird von allen für unfähig und zurückgeblieben gehalten - bis sie mithilfe eines speziellen Computers tatsächlich lernt, mit anderen Menschen zu kommunizieren, genau wie ihr Vorbild Stephen Hawking. Das scheint ihr das Leben etwas leichter zu machen, aber dennoch ist es weiterhin unglaublich schwer für sie, akzeptiert zu werden und für ihre Ziele zu kämpfen. Dass sie es dennoch tut, ist ein weiterer Beweis dafür, was für einen starken Willen sie hat und dass sie eine große Vorbildsfigur ist.
Desweiteren hat mich die liebevolle Gestaltung und die Vielschichtigkeit der einzelnen Charaktere wirklich begeistert. Besonders kleinere Nebenfiguren wie zum Beispiel die junge Maria, die in Melodys Klasse geht und am Down-Syndrom leidet, musste ich einfach ins Herz schließen.
Obwohl ich gedacht habe, dass einige Geschehnisse sehr vorhersehbar wären, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Mit manchen Wendungen habe ich wirklich bis zuletzt nicht gerechnet, was das Buch für mich umso spannender machte. Der Plot konnte mich also ebenfalls vollends überzeugen.
Selten habe ich ein Kinderbuch gelesen, das mich so sehr berührt, gefesselt und aufgewühlt hat. Es ist eigentlich kein Kinderbuch, denn ich bin mir sicher, egal ob ihr acht Jahre alt seid oder achtzig, ihr werdet diese Geschichte genauso sehr lieben wie ich.


Fazit:
„Mit Worten kann ich fliegen“ ist einer von diesen Bücherschätzen, auf die man zufällig stößt und die einem dann nicht mehr aus dem Gedächtnis wollen. Eine wundervolle Geschichte mit einer umwerfenden Protagonistin, die aufwühlt und tief unter die Haut geht.
 Tut euch selbst einen Gefallen und lest dieses Buch!








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